Natur-Kataster
Wie schaffen wir es, die Natur als Lebensgrundlage wirtschaftlich und politisch zu priorisieren? Das Natur Kataster schafft dafür eine öffentliche Dateninfrastruktur, die auf Parzellenebene den Ökosystemzustand und Naturkapitalleistungen harmonisiert erfasst und öffentlichen wie privaten Nutzergruppen verfügbar macht.
Darüber hinaus verankert es diese technische Dateninfrastruktur in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um naturbezogene Entscheidungen in Deutschland und perspektivisch in der EU zu ermöglichen. Nach erfolgreichem Aufbau wird das Natur Kataster im Sommer 2026 in eine eigenständige gGmbH überführt, um langfristige Unabhängigkeit und politische Anschlussfähigkeit sicherzustellen.
Zielsetzung / Vision
Das mit dem Natur-Kataster angestrebte Zielbild ist eine Welt, in der die Folgen jeder betriebs- und volkswirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Entscheidung für die Natur und ihre Ökosysteme kategorisch einkalkuliert und eingepreist werden können. Diese vollständige Internalisierung der Natur bedingt eine faktenbasierte Entscheidungsinfrastruktur. Das Natur-Kataster liefert einerseits die technische Dateninfrastruktur sowie deren politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Verankerung.
Ansprechpartner:
Benedict Witte, Martin Stuchtey
Methode
Das Natur-Kataster wird konsequent nutzerzentriert entwickelt: Öffentliche und privatwirtschaftliche Anwendergruppen werden frühzeitig eingebunden, ihre Datenanforderungen treiben die Priorisierung der Infrastruktur. Im öffentlichen Bereich liegt der Fokus auf der EU-Agrarförderpolitik als größtem Impact-Hebel – das Kataster wird bei entscheidenden EU-Gremien (DG AGRI, EBAF, JRC, Land Observatory, Soil Observatory) als Lösung positioniert und parallel mit Landwirten und Landwirtschaftsverbänden (EARA, CEJA, DBV, ELO) validiert.
Im Privatsektor wird das Natur-Kataster als Quasi-Datenstandard etabliert, beginnend mit der datengestützten Modernisierung ökologischer Zertifizierungsprozesse in Zusammenarbeit mit Bioland/Naturland sowie führenden Einzelhandelsunternehmen. Die technische Entwicklung erfolgt in iterativen Zyklen: Für jeden Anwendungsfall wird ein initiales Set ökologischer Performanzdaten definiert, implementiert und anhand realer Nutzungsanforderungen weiterentwickelt.
Wer soll erreicht werden?
Die vollständige Verankerung des Natur-Katasters als unterliegende Naturdateninfrastruktur im politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext.
Zielgruppen
- EU-Kommission: DG ENV (NRL-Monitoring), DG AGRI (GAP post-2027), DG CLIMA (CRCF Framework); „Aufbrechen des Silodenkens“
- Mitgliedstaaten: Implementierung nationaler Restaurierungspläne, Nationale Natur-Kompensationsmärkte und Förderpläne
- Unternehmen mit Natur-Resilienz-Bedarfen sowie mit Berichtspflichten
- Finanzsektor: Natur-Risikobepreisung, Naturleistungsgebundene Finanzprodukte
- Landwirte und Landbesitzer: Zugang zum Markt für Naturkapital sowie der Vergütung für Ökosystemleistungen
Politischer Kontext – warum jetzt?
Die EU steht vor einer strukturellen Herausforderung: DG ENV, DG AGRI und DG CLIMA verfolgen naturrelevante Politikziele, die dieselbe Primärdatengrundlage erfordern – handeln aber in Silos. Auf strategischer Ebene, bis hin zu EU-Kommissarinnen und hochrangigen EU-Politikern, wächst das Bewusstsein für diese Lücke; der politische Wille für eine gemeinsame Naturdateninfrastruktur ist erkennbar. Das Natur-Kataster adressiert genau diesen Bedarf.
Wie ist das Forum Nantesbuch beteiligt?
Konzeptionelle Verankerung: Das Kataster wird erstmals im Konzeptpapier Bodenforum Nantesbuch – Panel Metrik & Finanzen benannt. Enger, panelübergreifender Austausch: Unterstützung der holistischen Herangehensweise, da das Natur-Kataster nicht nur technisch, sondern auch soziologisch intelligent aufgebaut sein und angewandt werden muss.
Projektzeitraum
Der Prototyp des Natur-Katasters wurde im Zeitraum Oktober 2025 bis Juni 2026 aufgebaut. Derzeit erfolgt die legale Ausgründung in eine unabhängige gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH). Die technische Weiterentwicklung sowie die politische und wirtschaftliche Verankerung sind durch philanthropische Mittel gesichert und werden schrittweise ausgeweitet.